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Im zweiten Band der Hamburger Goetheausgabe finden wir unter seinen autobiographischen
Schriften ein Kapitel über die "Belagerung von Maynz".
Darin erfahren wir, daß Goethe im Gefolge des Herzogs Carl August von
Sachsen-Weimar,
seines Dienstherrn, vom 26. Mai bis 27. Juli 1993 in Mainz und Umgebung war. Sein Bericht
ist in Form eines Kriegstagebuchs gehalten, in dem sich neben sachlicher Kürze
ausführlich bildliche Umgebungsbeschreibungen und episch-szenische Bildsischener
finden.
Goethe berichtet von der Belagerung der Ende Oktober 1792 den französischen
Revolutionstruppen in die Hand gefallenen Stadt Mainz durch die
preusisch-österreichischen Koalitionstruppen.
Er schreibt, daß er auf dem Weg von Frankfurt nach Mainz die teilweise schwere
Verwüstung der Umgebung durch die Franzosen ansehen mußte. Im Chauseehaus von
Mainz-Marienbronn, das als Art Hauptqurtier diente und noch heute an Goethes Aufenthalt
erinnert, versuchte er sich ein genaues Bild von der Lage der Stadt und der Belagerung zu
machen.
Er sah sich auch die Gegend genauer an und versuchte, eine Karte zu zeichnen, um die
landschaftliche Gestaltung besser erfassen zu können. Goethe traf einflußreiche und
bekannte Leute, wie z.B. den Prinzen von Zweibrücken, General Graf Kalckreuth und die
Prinzessinnen von Mecklenburg. Er schildert aber auch die Zustände bei den
Koalitionstruppen und die Schanzversuche der Franzosen. Er quartierte mit den Soldaten und
bakam jeden Angriff mit. Besonders dramatisch beschreibt er den Angriff der Franzosen vom
30. zum 31. Mai. Neben Schilderungen von Kriegshandlungen und des Schicksals der
Zivilbevölkerung finden wir Beobachtungen der Höflinge und Offiziere in der Umgebung des
Herzogs. Er gibt sich als kühler Betrachter, der nur selten das Gesehene
kommentiert, wie
z.B. beim Mittagsmahl in einem Gasthaus der zurückeroberten Stadt. Nur einmal greift er
aktiv in das Geschehen ein, um Ausschreitungen gegenüber französischen Kollaborateuren
zu verhindern. Goethes "Belagerung von Mainz" schließt mit einem Besuch bei
seinem Schwager in Heidelberg. Da der Weimarer Herzog Carl August sein Amt in der preußischen Armee niederlegt, kann
Goethe die Ereignisse nicht mehr aus nächster Nähe verfolgen. In seinen Betrachtungen
geht es Goethe nicht darum, einen Beitrag zur Zeitgeschichte zu geben, sondern sich eine
Phase seines Lebens im Kontext mit den Tendenzen der Zeit bewußt zu machen. Am zweiten Tag seines Besuches beschreibt Goethe die schöne Lage von Mainz so:
"Mittwoch, den 28. Mai bei Obrist von Stein in Mainz, das äußerst schön
liegt; ein
höchst angenehmer Aufenthalt. Man fühlt, welch eine behagliche Stelle es
gewesen,
Landjägermeister eines Kurfürsten von Mainz zu sein".
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