Höre, Tochter, sieh her und neige dein Ohr, 
vergiß dein Volk und dein Vaterhaus! 
Der König verlangt nach deiner Schönheit; 
er ist ja dein Herr, verneig dich vor ihm! 
 
ad initium  
Latinum liturgicum 
Syriaca 
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Diese Verse (11 und 12 von Psalm 44/45) wurden wahrscheinlich in der ersten Hälfte des letzten Jahrtausend vor Christus geschrieben, zur Feier einer Hochzeit eines Königs von Israel mit einer phönizischen Prinzessin.

Aber schon die Juden des Alten Testaments und dann mehr noch die Christen sahen in jeder Hochzeit - mit all ihrem Glanz, ihrem Jubel und ihrer Freude - nur ein Bild für die größte und schönste Beziehung, die es für den Menschen geben kann - die zwischen Mensch und Gott.

So verstanden bekommen diese Verse noch eine spezielle Bedeutung: Gott ist ein eifernder Gott auch im Verhältnis zu dem ganzen Bereich, den wir Kultur nennen, dem geistigen Werkzeug, mit dessen Hilfe wir unser Dasein bewältigen.

Es gibt in dem Zusammenhang die materielle Kultur, und diese wird auch für den Christen bestimmt sein vom Grundsatz der Sachlichkeit; ja aus meiner jahrelangen leidvollen Beschäftigung mit der Volkswirtschaft habe ich erfahren, daß nur von einer christlichen Existenzform her Sachlichkeit im Bereich der materiellen Kultur möglich ist.

Die "humanistische" Kultur dagegen, wie man sie nennt, wird zum Götzen oder zum Götzendienst, wenn sie nicht aus dem Gebet herauswächst und das Leben in der Kirche zum Gegenstand hat.

Eine solche Kultur wird sich zunächst einmal um die wichtigsten Sprachen der Kirchengeschichte bemühen:
- Latein, die Sprache der historisch wichtigsten Kirchengemeinschaft vom dritten-vierten Jahrhundert bis in unser Jahrhundert hinein;
- Griechisch, die Sprache der letzten Bücher des Alten Testaments, des Neuen Testaments, des Christentums der ersten Jahrhunderte und der griechischen Kirche bis heute;
- Hebräisch, die wichtigste Sprache des Alten Testaments;
- Syrisch-Aramäisch, das ebenfalls im Alten Testament verankert ist, dann die Umgangssprache Jesu, Mariens und der ersten Christen war und seither bis heute die Sprache der syrischen Christen ist.

Ein zweites großes Thema christlicher Kultur ist die Kirchengeschichte, und in dem Zusammenhang faszinieren mich besonders die syrischen Kirchen, deren Reichtum uns im Westen besonders verborgen liegt.

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